Schlosskonzerte Kirchberg an der Jagst

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Ravel stand bei Entstehung des Streichquartetts op 35 in F- Dur noch ganz am Beginn seiner kompositorischen Laufbahn. Zum ersten Mal begann der damals 28jährige nach eigenem Bekunden eine eigene, individuelle Formsprache zu entwickeln und betrat so gewissermaßen mit diesem Werk die Weltbühne des Komponistendaseins. Zwar deutlich an die Harmonik des von ihm sehr verehrten Kollegen und Landsmannes Claude Debussy und dessen etwas älteres Streichquartett angelehnt, fand Ravel mit dem op 35 doch eine ganz eigene Tonsprache bei sehr freiem Umgang mit den überlieferten Formen. Er kombinierte durchaus „klassische Elemente“ wie etwa die Sonatenhauptsatzform mit absolut freien rhapsodischen Abschnitten und mit neuen, dem klassischen Publikum gänzlich unerwarteten Tanzrhythmen. Dabei ist es Ravel dank seiner profunden Kenntnis aller Instrumente in allen seinen Kompositionen und so auch hier gelungen, dass er zwar oft an die Grenzen des Machbaren rührte, niemals aber darüber hinausging.
3. Oktober 2020 17:oo Uhr Tag der Deutschen Einheit in der Evangelischen Stadtkirche Kirchberg Das Wiener Kaffeehaus und der Salon de Paris HOHENLOHER STREICHQUARTETT Magdalene Kautter, Violine Dietrich Schüz, Violine Wolfgang Hermann-Kautter, Viola Jörg F. Baier, Cello Anna Niehaves, Viola (als Gast) Werke von Maurice Ravel und Johannes Brahms
„Das Wiener Kaffeehaus und der Salon de Paris“ oder „Abschied und Willkommen“ Maurice Ravel Streichquartett, F-Dur Op.35 Johannes Brahms Streichquintett G-Dur, op. 111 für zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello Auf die beiden Werke des Konzerts, auf ihre Entstehung und ihre Erschaffer, bezieht sich das Motto „Abschied und Willkommen“. Lediglich 13 Jahre liegen zwischen den Kompositionen, doch sind es Welten, bezogen auf die beiden Komponisten und das musikhistorische Umfeld.
Der eine, Johannes Brahms, war im 57. Lebensjahr, ein angesehener, um nicht zu sagen berühmter und hochverehrter Meister der Komposition, ein Vertreter der sich zu Ende neigenden Romantik und doch, nach eigenem Verständnis, mit engster Bindung an die Tradition der Wiener Klassik. Seinem Verleger Simrock ließ er mit der Übersendung der Partitur des Streichquintetts op 111 in G-Dur wissen, dass jener sich „von meiner (Brahms´) Musik verabschieden könne, denn es ist sicherlich Zeit zu gehen“. Er wollte sich jedoch nicht einfach still und heimlich davon machen, sondern vielmehr mit diesem Werk gleichsam einen Strich unter sein Lebenswerk ziehen und(!) zeitgenössische Kompositionstechniken mit einbeziehen.
Und was für einen Strich hat er gezogen!!! Tatsächlich hat das Werk trotz des „Abschieds“-Gedankens eine äußerst heitere Grundstimmung. Brahms führt dabei seine ureigene Technik der „sich entwickelnden Variation“ konsequent durch alle Sätze, was dem Gesamtwerk einen zyklischen Charakter verleiht. Sodann nimmt er Anlehnung bei Bruckners(!) (Klang-) Vorhang Technik (1. Satz), schweift ab in Straußsche Walzerseeligkeit (3. Satz) und entführt mit einem Tanz in der Art eines Csardas (Finale) in exotische, folkloristische Gefilde wie wir es auch bei Ravel dann finden werden.