Schlosskonzerte Kirchberg an der Jagst
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Nächstes Konzert
"Jeder Fürst dieses Landes hat nun seine eigene Hofmusik; nur Ingelfingen nicht. Erklären lässt sich dies aus der eigenen Ökonomie, die an diesem Hofe herrscht; aus den anderweitig großen Ausgaben, die er zu machen hat, und besonders aus dem Alter des dortigen würdigen Fürstenpaars! Als die Musikalische Epoche in Hohenlohe begann, war der Fürst von Ingelfingen schon in einem Alter, das über dem Reiz des Sinnlichen hinaus war. (...) Ordentlicherweise wird von diesen Musiken am Sonntage Konzert bei Hof gegeben. So ist es in Oehringen, in Langenburg, in Kirchberg; (...) Nur in Bartenstein ist die Woche gewöhnlich zweimal Hofmusik; nemlich am Donnerstag und Sonntag. Ueberhaupt kann man sagen, an diesem Hofe herrscht Enthusiasmus für die Tonkunst. (...) An gesammten Höfen bestehet diese Musik oder Hofkapelle, wie man sie nennen will, blos aus dreierlei Gattungen von Spielern, nemlich aus Bedienten, aus Dilletanten und aus Hoboisten oder Soldaten; wo zudem noch ein eigen besoldeter Konzertmeister kommt, wie in Oehringen und Bartenstein; oder ein Musikdirektor, wie sonst Martial in Kirchberg. (...) Hr.Beyerlein in Kirchberg liest gut vom Blatt, spielt die Violin mit guter Sicherheit und dirigirt gut, besonders hat er schon gute Schüler gezogen. Sein Bruder bläst das Horn sehr rund und volltönigt; und ließ sich ebnlängst mit seinem Sohn, einem Kinde von 6 Jahren, in einem Doppelkonzert hören und Hr. Balbierer ist stark auf der Viola. (...) Kirchbergs Musik scheint uns noch darinnen einen merklichen Vorzug zu haben, daß sehr auf die edelste Gattung der Musik, nemlich auf den Gesang gesehen wird. In jeder Musik kommen nach der Ordnung wenigstens allemal zwei Arien und auch Chöre für. Und Demoiselle Beyerlein zeichnet sich hier besonders durch eine süsse, reine und angenehme Stimme aus." "Man weiß nemlich, daß es nicht immer der Mühe werth ist, diese, sich selbst so nennende Virtuosen zu hören; man weiß, daß sie oft bei alle dem ihre Saiten sehr hoch spannen; daß man ihnen nichts zu Danke thun kann, und daß sie am Ende oft über den Hof raisonniren, dem sie Verbindlichkeiten schuldig sind. Mir selbst, wenn ich fremde Virtuosen meldete, begegnete es oft, daß ich von meinem Fürsten gefragt wurde: - -"Was ist es für eine Mann? --wie sind ohngefähr seine Erwartungen? -- spannt er seine Saiten nicht zu hoch? dürfte er am Ende nicht raisonniren? ist es der Mühe werth, ihn zu hören? Unsere Fürsten können freilich nur verhältnismäßig geben: aber diese Verhältnisse sollte billig jeder reisende Künstler zum voraus kennen, wenigstens sich bekanntmachen. Er würde dann seine Erwartungen mehr herabstimmen; und besser seine Verbindlichkeiten fühlen."
29. September 2019 17:oo Uhr CARL LUDWIG JUNKER AND FRIENDS - Musik zur Zeit der Aufklärung in Kirchberg Christine Reber, Sopran Fabiola Gamarra Colina, Violine Frithjof Vollmer, Kontrabass Robert Bärwald, Klavier Joachim Kremer, Moderation Werke von C. L. Junker, J. Fr. Christmann, L. van Beethoven, Chr. Fr. D. Schubart, J. E. Brandl Carl Ludwig Junker wurde am 12. Juni 1748 in Kirchberg an der Jagst geboren. Er war als Komponist, Flötist, Schriftsteller und Pfarrer tätig. Nach abgeschlossenem Studium der Theologie in Gießen sowie Göttingen zog es ihn als Hauslehrer unter anderem nach Karlsruhe zu Prinz Christoph von Baden und nach Schaffhausen. 1777 arbeitete er als Lehrer im Heidesheimer Philanthropin. Zudem wirkte er gelegentlich als Flötist bei Hofkonzerten mit. Es folgten verschiedene Pfarreistationen im Hohenlohisch- Kirchbergischem Patronat: von 1789 bis 1792 Döttingen, ab 1792 Beimbach und ab 1795 Ruppertshofen, wo er 1797 starb. Der Anstoß zu diesem Konzert und die Zusammenstellung der Werke kommt von Professor Dr. Joachim Kremer (Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart). Er hielt 2017 im Sandelschen Museum Kirchberg einen Vortrag über den Kirchberger Pfarrer, Musiker, Komponisten und Publizisten Carl Ludwig Junker. Eine Reihe seiner Kompositionen wurden veröffentlicht in der periodisch erscheinenden "Blumenlese für Klavierliebhaber", die das gesellige Musizieren des Bürgertums bediente. Leider sind viele von Junkers Kompositionen verschollen, so ein in Winterthur geschriebenes Klavierkonzert und seine in Kirchberg geschriebenen SInfonien. Ein einziges Werk ist als Einspielung auf CD veröffentlicht: sein Klavierkonzert in B-Dur op. 2 (auf der CD "Nassauische Hofmusik", Label "Profil"): Mark Kroll spielt begleitet von der Capella Walburgensis. Aus diesem Grund soll auch das Kirchberger Konzert, das sonst nur einmalig zu erleben wäre, gefilmt und aufgezeichnet werden. Bedeutend ist Carl Ludwig Junker jedoch auch wegen seiner Publikationen und seiner musiktheoretischen Gedanken. 1790 beschreibt er anonym in der Musikalischen Real-Zeitung (Herausgeber Philipp Heinrich Boßler) das Musikleben im Hohenlohischen. Hier einige Zitate:
Zu den musiktheroretischen Schriften gehören die Werke "Tonkunst" (Bern, 1777), "Einige der vornehmsten Pflichten eines Kapellmeisters oder Musikdirektors" (Winterthur, 1782). Manche Vorstellungen sind sehr dem Zeitgeist geschuldet, so z.B. seine Gedanken darüber, welche Musikinstrumente für Frauen unvorteilhaft seien: "Ein Frauenzimmer spielt das Violoncell. Sie kann hierbey zwei Übelstände nicht vermeiden: Das Überhängen des Oberleibs, wenn sie hoch (nahe am Steg) spielt und also das Pressen der Brust; und dann eine solche Lage der Füße, die Bilder erwecken, die sie nicht erwecken sollten aber damit sei den Wissenden genug gesagt." Die von Professor Joachim Kremer ausgewählten Werke und seine vertiefenden Ausführungen bringen uns den Zeitgeschmack und die Gedankenwelt der Aufklärung näher. Waren bislang Adel und Kirche im wesentlichen Auftraggeber öffentlicher Musik- aufführungen, so entwickelte sich im 18. Jahrhundert ein vom Bürgertum getragener privater und öffentlicher Musikbetrieb. Es entstanden Musikaufführungen gegen Eintrittsentgelt und eine öffentliche Musikkritik, z.B. in Publikationen wie die "Wöchentlichen Nachrichten, die Musik betreffend" (Herausgeber Johann Adam Hiller, Leipzig) oder die "Allgemeine Musikalische Zeitung" (Herausgeber Johann Friedrich Rochlitz, Leipzig). Man war stolz auf die erreichte Bildung, die eigene Meinung und stritt sich in Briefwechsel und Publikationen leidenschaftlich, was gute Musik sei. Interessanterweise macht die Musikkritik auch vor der Beurteilung der Musikrezeption und des Publikums nicht Halt. Rochlitz schrieb hierzu: "Man könnte die Musikhörenden in vier Klassen zerwerfen. In der ersten sitzen die jämmerlichen, die nur aus Eitelkeit und Mode Musik hören, oder vielmehr der Musik beiwohnen. Sie haben in der Oper und im Konzert Sitz und Stimme - Sitz, um sich und ihren Putz zu präsentieren, Stimme, um zu plaudern. Übrigens findet man diese Art Leute am gewöhnlichsten unter den Großen und Vornehmen beider Geschlechter.
In die zweite Klasse gehören die, welche aufmerksam, aber (wenn ich mich so ausdrücken darf) nur mit dem Verstande hören, und welche den Namen der Kunstkenner führen und gern allein führen. Manche von ihnen ziehen sich fast von allem zurück, was heutgen Tages geschrieben wird. Ihre Reizbarkeit ist erkaltet, und sie glauben, die jetzige Musik sei ohne Reize. Aber sie meinen es redlich mit der Kunst, sie haben nicht überall Unrecht, sie stiften auch manches Gute, indem sie sich nach Möglichkeit dem Hange zur Frivolität widersetzen, der Ungerechtigkeit der Zeitgenossen gegen die großen Männer unter den Vorfahren sich entgegenwerfen, an den Ungerechten Rache nehmen u.s.w. - Übrigens findet man diese Art Männer, (denn Weiber dieser Art gibt's wohl nicht) der Natur der Sache nach, fast allein unter etwas bejahrten Musikgelehrten. Die dritte Klasse nehmen diejenigen Beurteiler musikalischer Kunstwerke ein, welche bloß mit dem Ohre hören - gute, harmlose Leutchen beiderlei Geschlechts. Sie lieben Musik, weil durch dieselbe ihr Blut in einige leichtere Wallung versetzt und ihre Füsse zum Tanzen gleichsam gehoben werden. Junge, lebhafte, gebildete Damen gehören hauptsächlich in diese Klasse; und weil junge, lebhafte, gebildete Damen gar viel auf junge, lebhafte, gebildete oder ungebildete Herren wirken, diese aber die rauschende Stimme des Publikums handhaben - so werden sie sehr bedeutend für die Schicksale der Kunstwerke, folglich für die Schicksale der Künstler, folglich auch für die Schicksale und den Gang der Kunstkultur selbst... In der vierten Klasse stehen, oft übersehen, fast immer unbefragt; diejenigen, welche mit ganzer Seele hören. Sie hängen weder am Neuen, noch am Alten, sondern am Guten, das heisst, an dem, was jenen höchsten Zweck der Kunst beabsichtiget und sich ihm nähert!"
--- Pause --- Daniel Christian Friedrich Schubart Sonate C-Dur Allegro Andante Presto Allegro moderato Johann Evangelist Brandl (Kloster Rohr 1760 − Karlsruhe 1837) „Die Fürstengruft“ (1790) für Singstimme und Klavier (nach Schubart) C. L. Junker über Beethovens Konzert in Mergentheim (1791) Ludwig van Beethoven (Bonn 1770 − Wien 1827) „An einen Säugling“ WoO 108 für Sopran und Klavier „Schilderung eines Mädchens“ WoO 107 für Sopran und Klavier Sonate f-moll (Kurfürstensonaten) WoO 47 (1783) Larghetto maestoso Allegro assai Andante Presto (Änderungen vorbehalten)
Programm Schlosskonzert am 29. September 2019 17.oo Uhr Carl Ludwig Junker (Kirchberg 1748 − Ruppertshofen 1797) Rondo für Klavier Johann Friedrich Christmann (Ludwigsburg 1752 − Heutingsheim 1817) „Der glückliche Bauer“ für Sopran und Klavier Junker, Christmann und die „Blumenlese“ Johann Friedrich Christmann Vaterlandslieder für Wirtemberger und andere biedere Schwaben (1795), Auswahl: „Schloss Wirtemberg“ „Frischlin“ „Schwäbisches Kirchweihlied“ für Sopran und Klavier Schubart und Junker als Komponisten Daniel Christian Friedrich Schubart (Obersontheim 1739 − Stuttgart 1791) „An den Mond“ „Die Forelle“ „Fluch des Vatermörders“ für Sopran und Klavier Carl Ludwig Junker „Die Nacht von Zachariae“ (1794) musikalische Deklamation gesetzt fürs Klavier mit der willkürlichen Begleitung einer Violine und eines Basses